Wie lassen sich Veränderungen in Gesellschaft und Wirtschaft vorwegnehmen? Und wie können Organisationen und Menschen diese Erkenntnis nutzen, um Zukunft aktiv zu gestalten? Diese Fragen haben mich zum Soziologen gemacht, zum Gründer einer Denkfabrik — und heute zu dem, was ich am präzisesten als Forschungsunternehmer beschreiben kann.
Forschungsunternehmer – das ist die präziseste Beschreibung dessen, was ich tue. Ich verbinde zwei Welten, die in Deutschland selten zusammenarbeiten, und genau aus dieser Verbindung entsteht der Mehrwert für meine Auftraggeber, Partner und Förderer: schnellere Erkenntnisse, bessere Entscheidungen, skalierbare Methoden statt einmaliger Studien.
Forschung mit unternehmerischer Haltung heißt: Ich liefere belastbare Ergebnisse in Wochen, nicht in Quartalen. Ich denke vom Anwender her, nicht vom Lehrstuhl. Ich beantworte die Frage, die wirklich zählt – nicht die, die akademisch interessant ist.
Unternehmen mit forscherischem Anspruch heißt: Ich messe, statt zu vermuten. Ich arbeite methodisch streng, transparent, prüfbar. Ich verkaufe keine Beratertage, sondern Erkenntnis – und Werkzeuge, mit denen Organisationen selbst zu Erkenntnissen kommen.
Sichtbar wird das in zwei Marken und einer Erfahrung: dem futureorg Institut, das ich 2006 als private Denkfabrik gegründet habe. endax, der digitalen Plattform, die Forschungsprozesse von Monaten auf Sekunden verkürzt. Und einer fast zwanzigjährigen Forschungspraxis mit Auftraggebern aus Wirtschaft, Verbänden und Zivilgesellschaft.
Ich bin 1978 in Gediz (Provinz Kütahya) in der Türkei geboren. Drei Jahre später kam ich mit meiner Mutter nach Deutschland, wo mein Vater seit 1970 als Gastarbeiter lebte. Aufgewachsen bin ich zunächst in Krefeld am Niederrhein.
Nach dem Abitur 1998 studierte ich Sozialwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum im Studiengang „Arbeit, Organisation und Personal“, mit Schwerpunkten in Organisationssoziologie, Organisationalem Lernen und empirischer Sozialforschung. Meine Diplomarbeit „Die Lernfähigkeit der öffentlichen Verwaltung im Spiegel der Wissensgesellschaft“ schloss ich 2005 ab. Schon damals wollte ich verstehen, wie Veränderung funktioniert – nicht abstrakt, sondern messbar. Nicht erahnt, sondern belegt.
Wie werden Unternehmen dem Imperativ des Lernens gerecht, der heute durch die Dynamik unserer Welt allgemein anerkannt ist? Organisationales Lernen ist mehr als die Summe des privaten Lernens der einzelnen Mitglieder. Es bedarf bestimmter Voraussetzungen, um die Gratwanderung zwischen Handlungs- und Anpassungsfähigkeit zu meistern.
Der Glaube, die Zukunft kontrollieren und steuern zu können, ist längst ein Mythos. Organisationen sind heute verstärkt mit Mehrdeutigkeit, Zweifel und Unsicherheit konfrontiert, was ihr Handeln entscheidend erschwert. Die Fähigkeit, mit diesen Entwicklungen umgehen zu können, entscheidet über ihre Lebens- und Zukunftsfähigkeit. Aber wie können sich Organisationen diese Fähigkeit aneignen?
Innovation hinter verschlossenen Labortüren gehören einer Zeit an, in der Komplexität die Märkte nicht dominiert hat. Märkte heute sind aber hochgradig ausdifferenziert und spezialisiert. Klassische Instrumente der Umfeldbeobachtung und des Innovationsmanagements funktionieren daher nur eingeschränkt. Es werden Arenen benötigt, in denen über Ideen gestritten und ausgetauscht werden kann. Die Verwaltung könnte für Unternehmen dabei ein Vorbild sein.
Diese Überzeugung führte 2006 zur Gründung des futureorg Instituts, einer privaten Denkfabrik. Anfangs verstand ich sie als Ort für eine diversitätskompetente Gesellschaft. Mit der TASD-Studie über türkische Akademiker und Studierende in Deutschland, die ich 2009 und 2010 durchführte, löste ich eine Debatte aus, die weit über die Fachöffentlichkeit hinaus geführt wurde — in Der Spiegel, Die Welt, Qantara, Telepolis, bis in die Politik hinein.
Die Studie wurde gelobt und kritisiert; einer der häufigsten Einwände lautete, sie sei nicht repräsentativ. Meine Antwort darauf war endax — eine Methode und Plattform, mit der annähernd repräsentative Befragungen in einer Bevölkerungsgruppe möglich wurden, die bis dahin als nicht erreichbar galt. Dahinter verbarg sich ein Modell, das nicht nur Studien über die migrantische Bevölkerung in Deutschland ermöglichte, sondern den Prozess der Erkenntnisgewinnung grundlegend beschleunigte.
Meine letzte Umfrage dieser Art realisierte ich in sieben Werktagen — von der Ansprache der Teilnehmenden bis zum fertigen Ergebnisbericht. Sieben Tage. In einer Welt, in der solche Prozesse üblicherweise Monate dauern.
Ich beriet Ministerien, Parteien und NGOs zu Integrationspolitik, Unternehmen zu Diversity Management. Zwischen 2010 und 2012 hielt ich parallel dazu einen Lehrauftrag für Integrations- und Migrationssoziologie an der Universität Duisburg-Essen. Mit meinen Studien gab ich den Medien Anlässe, sich mit dieser Bevölkerungsgruppe auseinanderzusetzen; in Essays und Fachbeiträgen — etwa bei Qantara, der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Goethe-Institut — setzte ich eigene inhaltliche Akzente. Ich brachte Menschen aus unterschiedlichen Ethnien, Konfessionen und politischen Überzeugungen an einen Tisch. Dort sprachen sie miteinander statt übereinander. Das war die Arbeit, die ich liebte — und an der ich gewachsen bin.
Mit der Wirkung wuchs auch der Widerstand. Während der Gezi-Park-Proteste 2013 polarisierte sich die türkische Community in Deutschland so stark, dass mein Anspruch, integrativ zu wirken und die Identifikation mit Deutschland zu fördern, innerhalb dieses aufgeladenen Klimas keine Resonanz mehr fand. Ich zog daraus eine klare Konsequenz: Der politische Betrieb war nicht der Ort, an dem ich meine Vision verwirklichen konnte. Also habe ich ihn verlassen. Hinzu kam, dass mein erster Sohn geboren wurde — und er hatte nicht nur ein Anrecht auf meine volle Aufmerksamkeit. Ich wollte sehen, wie er aufwächst, und Zeit mit ihm bringen. Diese Entscheidung war ein Kurswechsel aus Überzeugung.
Ab 2016 richtete ich das futureorg Institut Schritt für Schritt in die Privatwirtschaft neu aus. 2019 fokussierte ich mich auf Beratungen, 2022 — mit dem Ende der Pandemie — positionierte ich das Institut als Denkfabrik für Beratungen und Mittelstand. Es war eine bewusste Entscheidung, diesen Weg im Stillen zu gehen. Nach Jahren öffentlicher Auseinandersetzung wollte ich nicht mehr auf Debatten reagieren, sondern etwas aufbauen, das für sich selbst spricht. Was in diesen Jahren entstand, ist für mich eine zweite Chance. Die Grundidee von endax lebt weiter, heute als B2B-Plattform, die Entscheider:innen aus Mittelstand und Beratungen als Partner:innen auf Augenhöhe einbezieht.
Was damals Monate dauerte, gelingt heute in Sekunden. Einmal das Fundament gelegt, erhalten Auftraggeber ihre Ergebnisse in Echtzeit. Das verändert nicht nur die Geschwindigkeit, sondern die Beziehung zwischen Forschung, Beratung und Mittelstand: Es schafft Anlässe für Austausch, baut Vertrauen auf, ermöglicht Lernen. Ich arbeite im intermediären Raum zwischen Wissenschaft und Wirtschaft — in der datenbasierten, empiriefundierten, angewandten Forschung. Der Unterschied zu früher ist weniger ein inhaltlicher als ein atmosphärischer: Ich weiß heute besser, wann ich spreche und wann ich schweige. Und ich weiß, dass das, was jetzt entsteht, auf fruchtbareren Boden fällt als vor zehn Jahren.
Was mich trägt, sind drei Ideen, die älter sind als ich und älter als jede Gesellschaft, in der ich gelebt habe.
Humanismus
verstehe ich als Überzeugung, dass Handeln nur einen Zweck haben kann: das solidarische Miteinander und die kontinuierliche Verbesserung der Lebensumstände. Alles andere ist Umweg oder Selbstzweck.
Aufklärung
ist für mich das Licht, das nie erlischt — seit Jahrhunderten leitet diese Idee uns Menschen. Und kein Konflikt, keine Technologie, kein Epochenwandel war bisher in der Lage, sie auszulöschen. Das ist kein Zufall, sondern die Widerstandskraft der Vernunft.
Liberalismus
schließlich verstehe ich als Voraussetzung und Ergebnis jeder fortschrittsgeleiteten Gesellschaft: Wo Freiheit verkürzt wird, bleibt auch der Fortschritt stecken; wer Fortschritt will, muss Freiheit denken.
Diese drei Werte sind keine Bekenntnisse, die man ablegt, sondern Haltungen, die man jeden Tag neu einnehmen muss.
Aus ihnen leitet sich ab, was ich als meine eigentliche Aufgabe betrachte: die Empirie zu demokratisieren. Ich möchte, dass jede Organisation in der Lage ist, eine Befragung zu planen, durchzuführen und wertschöpfend zu verwerten — weder teuer noch qualitativ minderwertig. Empirie darf kein Privileg weniger Akademien, Großberatungen oder Institute sein. Sie gehört allen, die Wirklichkeit verstehen wollen, um bessere Entscheidungen zu treffen. Das ist nicht nur ein technisches Programm, sondern ein demokratisches. Denn Demokratie wächst mit der Empirie.
Am Ende
Am Anfang beginnt die Demokratie im Inneren des Menschen,
wächst mit der Empirie,
festigt sich durch Mitgefühl und Solidarität.
Wenn Mitgefühl und Solidarität schwinden
und die Empirie erblindet, dann wird
am Ende die Demokratie im Inneren des Menschen begraben.
— aus meinem Buch „Julia, die Schildkröte und die Maschinen“, 2025
Dieses Gedicht ist eine Replik auf Heinrich Mann: „Demokratie ist im Grunde die Anerkennung, dass wir, sozial genommen, alle füreinander verantwortlich sind.“ — Heinrich Mann, aus „Der tiefere Sinn der Republik“, 1927
Getragen wird all das von Menschen. Meine Frau Dr. Nilgün Daglar-Sezer ist Lebensgefährtin und Fachkollegin zugleich. Sie war Co-Autorin der TASD-Studie, ist promovierte Soziologin, und ohne sie gäbe es diese Arbeit nicht.
Unsere Söhne Gökhan und Alpay erinnern mich jeden Tag daran, wofür wir an einer besseren Welt arbeiten — und dass die Zukunft, von der ich so viel rede, ihre Gegenwart wird.
Frieder C. Löhrer, Mentor und Beiratsmitglied am futureorg Institut, hat mich ermutigt, mein Know-how aus der politischen Arbeit auf Beratungen und den Mittelstand zu übertragen. Mein Team und die vielen Partner teilen die Leidenschaft, Empirie so einfach zu machen, dass sie allen nützt. Und die Kund:innen, die diesen Weg mitgehen, sind der Grund, dass ich seit Jahren jeden Tag einige Zentimeter näher an meine Vision komme.
Lesen Sie dazu meinen Blogbeitrag: Eine zweite Chance – Wie ich die Empirie demokratisieren möchte
Wer mich für eine Keynote, einen Gastbeitrag oder ein Gespräch buchen möchte, findet hier drei Themenfelder, zu denen ich aus erster Hand sprechen kann. Sie sind aus meiner Biografie gewachsen — nicht aus einem Speaker-Katalog.
Thema 01
Erneuerung der Beratung — von Geschäftsmodell-Innovation bis Self-Empowerment
Beratung steht selbst im Umbruch: Kund:innen wollen nicht mehr Berater:innen-Tage kaufen, sondern Selbstbefähigung. Self-Consulting und veränderte Kundenerwartungen fordern ein neues Geschäftsmodell. Ein Plädoyer für Beratung auf Augenhöhe.
–> Für Beratungsverbände, Leadership-Kongresse, Strategietagungen.
Thema 02
Mittelstand im Umbruch — Herausforderungen hinter dem Horizont
Der deutsche Mittelstand steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Was kommt nach Fachkräftemangel, Digitalisierung und Lieferkettenstress? Welche soziologischen und empirischen Signale deuten auf die nächsten zehn Jahre?
–> Für Verbände, Unternehmerrunden, Kammern.
Thema 03
Zukunft der Türken in Deutschland und Europa
Fünfzehn Jahre nach der TASD-Studie: Wie hat sich die türkeistämmige Bevölkerung in Deutschland und Europa weiterentwickelt? Wie sieht die Zukunft der türkischen Commnuity in Europa aus? Welche Rolle spielen Bildungseliten, Mobilität und Mehrfachzugehörigkeit heute in einer Welt, in der KI Hierarchien verwirft, das Soziale neu sortiert und die Innovationszyklen von Unternehmen beschleunigt? Eine empirisch unterfütterte Zeitreise mit Ausblick
–> für Stiftungen, politische Bildung, Fachkonferenzen.
| 1978 | Geboren in Gediz (Provinz Kütahya), Türkei. Deutsche Staatsangehörigkeit. Verheiratet, zwei Söhne. |
Ausbildung
| 1998 | Abitur, 1. Städt. Gesamtschule Kaiserplatz. |
| 1998–2005 | Diplom-Sozialwissenschaftler, Ruhr-Universität Bochum. Studiengang „Arbeit, Organisation und Personal“. Diplomarbeit: „Die Lernfähigkeit der öffentlichen Verwaltung im Spiegel der Wissensgesellschaft“. |
Stationen vor Gründung von futureorg
| 2001 – 2006 2010-2012 | wissenschaftliche Hilfskraft bei Prof. Dr. Wilhelm Bleek (Lehrstuhl Politikwissenschaft/RUB) und am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte sowie Praktika und Nebentätigkeiten u.a. bei OSCAR GmbH, IMC Beratung, ThyssenKrupp; Lehrbeauftragter für Integrations- und Migrationssoziologie, Universität Duisburg-Essen, Fakultät für Soziologie |
Berufliche Stationen
| seit 2006 | Gründer, Inhaber und Leiter der Denkfabrik „futureorg Institut“. |
| Vorträge | Über 1.000 Vorträge u.a. für Heinrich-Böll-Stiftung, Friedrich-Naumann-Stiftung, Wirtschaftsförderung Dortmund, Universitäten Duisburg-Essen, Münster, Bochum, Mannheim, Frankfurt School of Finance & Management sowei für Parteien, Zivilgesellschaften, Migrantenorganisationen u.v.a. |
| Projekte | Über 250 Projekte u.a. mit Ruhr-Universität Bochum, Stadt Dortmund, Friedrich-Naumann-Stiftung sowie verschiedenen Beratungsunternehmen mit bis zu 100 Beschäftigten. |
Berichte & Medienresonanz
| 2013 | Studie zu NSU-Morden: Türkische Community misstrauisch — Andreas Speit · taz |
| 2013 | Wählerwanderung: Die Deutschtürken entdecken Merkels CDU — Die Welt |
| 2008 | Jung, gut und unerwünscht — Der Spiegel |
| 2013 | Wo deutsche Muslime ihre Kreuze machen — NDR Kultur · Freitagsforum |
Eigene Beiträge (Auswahl)
| 2015 | Ab 2050 soll Deutschland keine Rolle mehr spielen — Die Welt |
| 2010 | Was ist Integration? Zuwanderungsdebatte in Deutschland — Qantara |
Mitgliedschaften
Bundesverband Mittelständischer Wirtschaft (BVMW), CDU Deutschland, AiF Innovatoren, Science Fiction Club Deutschland e.V.
Sprachen
Deutsch und Türkisch (beide Muttersprache), Englisch (sehr gut).
Was ich seit 2016 mache
Neuausrichtung des futureorg Instituts zur ersten Denkfabrik für Beratung und Mittelstand im deutschsprachigen Raum. Entwicklung digitaler Lösgunen wie endax, REAP Radar sowie weiterer skalierbarer Methoden für Beratungen und mittelständische Unternehmen.
Ob Sie ein Vortrag oder Veröffentlichung anfragen, eine Idee diskutieren oder einfach nur Kontakt aufnehmen möchten — ich freue mich. Am liebsten per E-Mail, aber das Telefon steht auch bereit.
+49 (0) 172 / 418 79 80
Martin-Schmeißer-Weg 10
44227 Dortmund